Stadtansichten von Stralsund


Um einen ersten Überblick über die Stadt zu bekommen, sollte man zuerst die eintausend Stufen zum Aussichtspunkt auf dem Turm der am Neuen Markt gelegenen Marienkirche hinaufsteigen. Nach etwa zwei Dritteln des Weges macht sich, ein wenig außer Atem, Hoffnung breit, den Aufstieg geschafft zu haben, aber nein, nur der steinerne Turm aus dem Jahr 1298 ist geschafft, weiter geht es in der barocken Haube aus dem Jahr 1708 auf knarzenden hölzernen Stufen. Aber dann: Hinaustreten in Helligkeit und frischen Seewind und als Belohnung ein grandioser Rundumblick über den als Parkplatz missbrauchten Neumarkt zur Altstadt von rechts mit der Jakobikirche, zu Nikolaikirche und Rathaus, über den Strelasund zur Insel Rügen und ganz hinten, noch weiter links zwischen den dunklen Landmassen des Barhöft auf dem Festland und des Freesenort auf der Insel Rügen, da ist die Insel Hiddensee mit dem Höhenzug des Dornbusches auszumachen. Nun, bergab geht's etwas schneller und ein wenig vom Drehschwindel befallen, treten wir aus dem feuchtdunklen Mauerwerk wieder in's pralle Leben auf dem Neumarkt ein. Hinein in die Altstadt, in Richtung Hafen! Einige Straßen, gesäumt von hervorragend restaurierten Bürgerhäusern, wetteifern um unsere Aufmerksakeit, aber nicht von der einladenden Nähe von Langen- oder Frankenstraße vereinnahmen lassen, nein, eine Ecke weiter nach links wartet die von den Touristenmassen verschonte schmale Papenstraße auf ihre Entdeckung: Kopfsteinpflaster, kaum Platz für Autos, still bilden die hier nur zweistöckigen Bürgerhäuser das Ambiente mit Blick auf die Jakobikirche. Der Atem der Geschichte nimmt einen gefangen, reich war die Stadt jahrhundertelang zu Zeiten der Hanse und auch später die Schweden förderten sie fast zweihundert Jahre lang als Verwaltungszentrum ihrer Besitzungen südlich der Ostsee. Und auch die alliierten Bomber haben die Stadt nur einmal, am 06. Oktober 1944, bombadiert. Weit ist es nun nicht mehr zum Hafen mit seinen Fischrestaurants, Cafes, mit dem futuristisch anmutenden Bau des Ozeaneums, den Klappbrücken und den Anlegestellen der Fähren nach Hiddensee und Rügen. Kehren wir doch hier ein und lassen uns von Fisch verwöhnen, und wenn sich dann langsam die Dunkelheit über die Stadt senkt, ja dann ist es Zeit für einen weiteren Spaziergang. Dann aber auch bitte seitwärts abbiegen und abseits der Touristenströme in das Heilgeistviertel eintauchen! Überragt von der gleichnmigen Kirche, wurden hier nach der reformationsbedingen Auflassung des Klosters Bauten für Arme und Alte, auch ein Spital, errichtet. Einfache Bauten, nach der Wende liebevoll restauriert, sie entfalten ihren Charme besonders bei Dunkelheit im Lichte der Laternen.