Nördlich von Stralsund wartet ein Kleinod innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Bodenlandschaft auf die Entdeckung, wenn es auch schon längst genug Touristen und Ausflügler immer wieder dorthin zieht: Die Insel Hiddensee, das "Sötes Länneken", in Form eines im Wasser schwimmenden Seepferdchens der ungleich größeren Insel Rügen vorgelagert und diese immer wieder von den westwindgetragenen Wellen der Ostsee beschützend. Erstaunlich, wie sie das immer noch vermag, mit einer Abbruchkante am Kopf des Seepferdchens beim 72 Meter hohen Bakenberg bis hin zu seinem sich südlich des schönsten Ortes Kloster anschließenden langen, flachen Schwanz bis hin zur Südspitze, Gellen genannt, gar nicht mehr weit von einer weiteren Insel, dem Bock, entfernt. Ein erster Teil, der Dornbusch, war nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstanden, der sich vor etwa 5000 Jahren mit zwei weiteren später gebildeten Inselkernen durch Aufschwemmung zu der Insel "Hedinsey" verband, wie das Eiland schon in der Edda, dem Handbuch altnordischer Mythologie, auftauchte. Es heißt, dass der legendäre Norwegerkönig Hedin hier um eine Frau gekämpft hat, vielleicht ging es aber doch nur um schnödes Gold. Nun, auf jeden Fall siedelten hier von ab der mittleren Steinzeit bis zu Zeiten des Römischen Reiches Germanen, welche, der Plagen überdrüssig, dann zur Zeit der Völkerwanderung in Richtung Wärme des Südens abzogen, das Inselchen den Ranen (Slawen) überlassend. Auch die Wikinger waren hier, wie eigentlich überall im Ostseeraum, dann wieder die Ranen, bis im Jahr 1168 alles vom Dänenkönig Waldemar I erobert wurde. Nach dem Dreißgjährigen Krieg kamen die Schweden, dann im Jahr 1815 die Preußen.
Wo könnte man nun am besten einen Überlick über den lieblichen Landstrich bekommen? Verlassen wir doch dazu den kleinen Ort Kloster in Richtung Norden, nein, nicht mit einem Auto, so etwas gibt es hier nicht, auch nicht mit einer Pferdekutsche, sondern auf Schusters Rappen! Links und rechts des sanft ansteigenden Weges der im Spätfrühling oder Frühsommer leuchtendgelb blühende Ginster, durchbrochen von Sanddornsträuchern mit zum Frühherbst hin leuchtendroten Früchten. Weiter oben auf dem Höhenzug des Dorbuschs warten lichte Kiefernwälder, durchsetzt von stachligen Sträuchern und Schneidgras auf uns. Und dann erblicken wir ihn in nächster Nähe, den auf dem Schluckwiek im Jahr 1888 errichteten Leuchtturm! Noch heute ist er in Betrieb, sein Leuchtfeuer soll noch in knapp 25 Seeemeilen (45 Kilometer) Entfernung Schiffen den Weg weisen. Und: Es lohnt sich wirklich, die 102 Stufen zur Aussichtsplatform emporzusteigen! Der Blick ist grandios, im Nordosten die jeweils drei Kilometer langen Haken von Alt- und Neubessin, in Richtung Norden zur Inselspitze am Enddorn mit ihrem wunderschönen Geheimstrand hinlaufend. Davor von Rindern und Schafen beweidete Wiesen, hinter denen sich die wenigen reetgedeckten Häuser von Grieben (slaw: Pilz) verstecken, eine der beiden ältesten Siedlungen der Insel. Aber schauen wir doch einmal nach Süden: Während sich Kloster hinter den baumbewachsenen Hügeln versteckt, ist weiter hinten der größte Ort der Insel, Vitte (niederdeutsch: Siedlung von Heringsfischern) auszumachen. Und nach dem nächsten grünen Band befindet sich dann noch, nur mehr zu erahnen, Neuendorf, bevor die Insel dann, tendenziell immer schmaler werdend, in den Gellen und damit auf ihr Ende zuläuft. Und dahinter? Rechts der Bock, links von der Inselspitze das Festland und noch weiter die Spitze der zu Rügen gehörenden Halbinsel Ummanz. Und wenn Sie ganz genau hinschauen, ja da warten am Horizont noch die Kirchtürme der Stadt Stralsund auf Entdeckung!
Und nun? Der Abstieg nach Kloster, Einkehren in ein Restaurant zu einem Hiddenseer Schmoraal, Hornhecht oder Boddenzander, heruntergespült mit einem kräftigen Sanddornsaft, Verdünnen und/oder Zuckern ist dabei erlaubt! Und zum Nachspülen eignet sich dann der Sanddornlikör.....