Inselhuepfen


Früh beginnt der Tag in Puerto Moreno auf San Cristobal, ein Blick durch die Fensterscheiben läßt nichts gutes erahnen: Graue Wolken jagen über die Insel und senden böige Regekaskaden auf die in der Dämmerung liegende Stadt. Aber es hilft nichts, denn um 09:00 Uhr verläßt die Fähre mit Ziel Santa Cruz den Hafen. Eine Fähre? Langes Suchen ist erforderlich, um unter den diversen hier beginnenden Entdecker- und Tauchtouren ein ebensolches einer kleineren Jacht ähnelndes Gebilde zu finden, welches weiter draußen im Hafen ankert und ein Einschiffen auf nußschalengroßen Booten, natürlich gegen einen kleinen Obolus, erfordert. Starten der Motoren, mit steigender Entfernung vom Land weiteres Hochregeln ihrer Leistung, und dann jagen wir dahin, die entschwindenden Berge von San Cristobal langsam in Dunst und Wolken aus dem Blick verlierend und voll von Dünung und Wellengang des Pazifiks erfasst, so daß das Boot sich, angetrieben von seinen dröhnenden Außenbordmotoren, in heftiger Krängung von Wellenberg zu Wellenberg kämpft, während der ein oder andere Brecher versucht, die weiter hinten sitzenden Fahrgäste mit einem Schwall kühlen Wassers zu überschütten. Auf halber Entfernung winkt die unbewohne Insel Sante Fe, ihr Windschatten animiert den Bootsführer, die Motoren in recht ruhiger See zu voller Leistung anzuspornen, welche diesem Befehl in einer aufjaulenden Orgie von Lärm nachkommen. Da erfasst uns auch schon wieder der erste Brecher aus dem bis zum antarktischen Kontinent freien Pazifik und das Aufstöhnen des Schiffsrumpfes läßt den Käpt'n die Geschwindigkeit schnell wieder herunterrregeln. So gleiten wir weiter durch das Wasser und es ist nun Zeit, die Gesichter der Mitreisenden zu betrachten: Der praktisch denkende Optimist ist in tiefen Schlummer gefallen, für ihn ist die Überfahrt tote Zeit, welche sich aber immerhin zum Verringern des Schlafdefizits nutzen läßt, mein Gegenüber dagegen versucht mit forschem Blick seine Angst vor hoher See im speziellen und vielleicht auch vor Wasser im allgemeinen zu kaschieren, während das langsam gelblich anlaufende Gesicht seines Nebenmannes von beginnender Seekrankheit kündet. Und was man nicht sieht, das kann eigentlich nicht sein: Mein Nebenmann schläft nicht, er hält die Augen nur geschlossen und sitzt in Erwartung von Schwierigkeiten oder gar einer Katastrophe mit angespanntem Ausdruck auf seiner Bank, wahrscheinlich in seinem Kopfe schon Möglichkeiten zu seiner Rettung durchdenkend. Aber gemach! Dieser Kahn wird schon, für uns Landratten vielleicht nicht erkennbar, solchen Wellengängen gewachsen sein. Da sind schon ganz andere viel größere und Sicherheit ausstrahlende Fähren gesunken......