Hotel Kohan


Willkommen in Yazd, meiner uralten Heimatstadt mitten im iranischen Hochland! Sie sehen staubig, hungrig und durstig aus, wie Sie da mit müdem Blick durch die enge Fahadan-Gasse daherkommen. Darf ich Ihnen einen Platz zum Ausruhen in meinem bescheidenen Wohnhof anbieten? Nein? Ach kommen Sie, achten Sie auf ihren Kopf, ich halte Ihnen die schwere Tür auf, Sie werden mein Reich dahinter bestimmt nicht zu karg finden. Hier entlang! Und schon haben wir die schattige Sommerseite erreicht. Darf ich Ihnen meinen bequemsten Sessel anbieten, mit Blick auf das von Palmen und Laubbäumen gerahmte bescheidene Bassin im Innenhof, meinen ganzen Stolz! Ja, die Familie Kohan wohnt hier schon seit unzähligen Generationen, eigentlich seit den Zeiten von Amir Tschaghmagh im 15.Jhdt. Davor verliert sich unsere Geschichte im Dunkel des im siebenten Jahrhundert untergegangenen Sassanidenreiches, auch die Mongolen haben die Stadt mit unserem Anwesen zwar erobert, aber nicht zerstört. Aber ich rede und rede und sollte ihnen vielleicht lieber etwas zu essen und zu trinken anbieten! Warten Sie, gleich bin ich wieder da!..... Hach, ich bin völlig untröstlich! So eine Schande! Da habe ich Frau und Kinder auf den Basar geschickt und es findet sich nur etwas Falafel in meiner bescheidenen Küche. Hätte ich gewußt, daß sich heute ein Fremder aus der Imam-Khomeini-Allee in die unbedeutende Seitengasse zu meinem Anwesen verirrt, ja dann, dann hätte es ein Festmahl gegeben! Wirklich! So wahr mir Allah helfe! Hier, noch etwas scharfe Sauce zum Würzen, ein Familienrezept! Und einen selbst gemixten Fruchtsaft, ich hoffe, er schmeckt Ihnen.... Tief durchatmen, das hilft gegen das Brennen in Gaumen und Speiseröhre! Und hier - noch eine Tasse Tee!.... Na, merken Sie, wie Ihre Lebensgeister wiederkehren? Aus welchem Land haben Sie den weiten Weg hierher gefunden? Aus Deutschland? Wie lebt man dort? Bitte, erzählen Sie ein wenig! ......