Wenn man sich irgendwo auf der Welt ein wenig mehr auf eine größere Stadt einläßt, so gelang man irgendwann unweigerlich zu ihrem sich meist im Zentrum befindlichen zentralen Platz, manchmal auch nur zu dem, welcher es für die Touristen ist, während sich das Leben der Einheimischen woanders abspielt. In Yazd sind die Verhältnisse dazu unentschieden, hier ist dieser zentrale Platz an der Kreuzung der Kh. Imam Khomeini mit dem Salman-e Farsi angeordnet, eine Kreuzung mit dem üblichen Lärm und einer in atemberaubendem Tempo die Grün- und Rotphasen wechselnden Ampelanlage, welche ich dann doch lieber durch Mißachtung mittels meines ihr zugewandten Hinterteils strafe. Aber vor uns! Vor uns liegt der Meydan-e Chaqmaq, an seinem gegenüberliegenden Ende durch einen gewaltigen Portalbau mit Doppelminarett abgeschlossen, welcher zu einer Tekiyeh aus dem 19.Jhdt gehörte. Aus den Arkaden dieses dreistöckigen Baus schauten früher die Würdenträger den religiösen Zeremonien und Veranstaltungen auf dem Gelände davor zu, die auf uns zulaufenden Mauern links und rechts des Platzes sind neuen Datums, um seine frühere Größe zu demonstrieren.
Zu einer dieser Zeremonien, welche auch heute noch hier stattfinden, wird am 10. Muharram (1. Monat des islamischen Kalenders) das rechterhand vor dem Gebäude stehende hölzerne Monstrum, ein riesiger Naql, von sich wegen seines gewaltigen Gewichtes ständig wechselnden Männern herumgetragen, eine Trauerprozession, um dem Tod des Imams Al-Husein bei der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 und der nach schiitischer Ansicht ermordeten 11 (von 12) Imame zu gedenken und nachträglich dafür zu büßen. Erst am zwölften Tag darf die mit Fasten verbundene Trauer von der dann wohl völlig erschöpften männlichen Population der Stadt beendet werden. Aber auch für die anschließende Freßorgie hält der Platz etwas Passendes bereit, die sich rechterhand befindliche angeblich beste Konditorei Persiens: Hadij Khalife. Und linkerhand schließt sich auf dem Gebiet des eigentlich namensgebenden, aber nicht mehr vorhandenen religiösen Komplexes Masdjed-e Mir Chaqmaq aus dem 15.Jhdt ein Zurkhaneh an, eine Sporthalle, in welcher den traditionellen Kraftsportübungen gefrönt werden kann, um den aus der Konditorei von der anderen Platzseite herübergeschleppten Fettansatz wieder abzutrainieren. Ohne Klimaanlage, dafür aber mit sechs Windtürmen zur Belüftung garniert.
Eine interessante Stadt, aus der es noch viel zu erzählen geben wird....