Murugan


Etwa 15 Kilometer nördlich von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur, da liegen sie in einem nicht sehr großen Kalksteinmassiv, die Batu Caves, die Steinhöhlen. Schon lange bekannt unter lokalen Stämmen war dieses Naturparadies mit seiner ca 100 Meter hohen Haupthöhle, welche erst ab dem Jahr 1878 von den Hindus für den Bau von mehreren Tempeln in Beschlag genommen wurde. Aber bevor wir die im argen Sonnenlicht liegenden 272 steilen Stufen unter masochistischer Verachtung des nahen Fahrstuhls heraufklettern, betrachten wir das Treiben auf dem in der üblichen schrillen hinduistischen Buntheit gestalteten Gelände einmal von unten. Zu übersehen ist sie dabei nicht, die monströse, 42,7 Meter hohe Skulptur der Gottheit Murugan, dem jüngsten Sohn von Shiva und Parvati, welche in der tamilischen Mythologie irgendwann den Dämon Soorapadam besiegt und damit die Kontrolle über die himmlichen Kräfte errungen hat, ein schwerer, aber dafür umso ruhmreicherer Kampf, dem in der Höhle mehrere Schreine gewidmet sind. Und zu welchem natürlich eine ganz besondere Lanze benötigt wurde, übergeben vom treusorgenden Vater (Parvati) zum Geburtstag des Sohnes (Murugan) am Vollmond des tamilischen Monats Thai (Januar/Februar), an dem der Stern Pusam seine höchste Position erreicht. Dieses Ereignis ist doch ein Fest wert, oder nicht? Ja, natürlich, es heißt Thaipusam und es werden dabei während der Prozession mit verschiedenen Gütern, Bildern oder Girlanden behängte Holzgestelle die steilen Stufen zu den Schreinen emporgetragen. Nun, steigen wir doch auch hinauf! Aber so einfach ist das nicht, denn sie haben angesichts der knapp 40 Grad Celsius Außentemperatur kurze Hosen und freie Schultern zu bieten? Darauf wartet der Zeberus am Eingang nur: Ein Leih-Sarong für die Dame, einer für den Herren, dazu noch ein Tuch für das weibliche Geschlecht, dabei sich wegen der in schweißtreibender Höhe entschwindenden Stufen verdüsternde Mienen. Aber immerhin noch ein kleiner Lichtblick angesichts der vermutlich glühendheißen Stufen: Die Schuhe müssen noch nicht ausgezogen werden, und wenig später die Erkenntnis der erstaunlichen Luftigkeit der zusätzlichen Kleidung! Nur Mut also, da haben schon Personen mit viel schlechterer Kondition den Aufstieg zur Kühle verheißenden Höhle gewagt!