Im Dorf Ywa Ma


Was einer normalen landgelegenen Ortschaft die Straßen, das sind hier am Inle-See die Kanäle, Verkehrs-, nein Lebensadern der Ortschaften, die Ränder dicht mit auf Pfählen zwischen schwimmenden Vorgärten stehenden Wohn- und Geschäftshäusern bebaut. So auch hier die Hauptstraße der im Mittelraum des Sees befindlichen Siedlung Ywa Ma. Sie besitzt keinen Namen, irgendwelche Verkehrsleiteinrichtungen oder gar Bürgersteige sucht man hier vergeblich, dafür versuchen Unmengen von Wasserhyazinthen hoch zur lichtdurchfluteten Wasseroberfläche zu stoßen, sie werden durch die hier mit begrenzter Kraftentfaltung passierenden Motorboote immerhin im Zaum gehalten. Aber auch hier hat die Neuzeit, zumindest ein wenig, Einzug gehalten: Stromanschluß, wenn auch bei jedem deutschen Elektriker bestimmt Tod durch sofortiges Herzversagen provozierend, und die Dächer sogar der wackligsten Häuser zieren Satellitenschüsseln zum Empfang kultureller Segnungen der modernen Zivilisation, von den häufig hochdrehzahligen Außenbordmotoren ganz zu schweigen. So irrt derjenige so ziemlich, welcher hier abseits des Straßenverkehrs nur vom Krähen der Hähne unterbrochene himmlische Ruhe erwartet, nein, die flache Seenfläche bietet dem knatternden Bootslärm kaum Widerstand und irgendwo in der Nähe ist immer ein solches mit Gemüse und Früchten von den schwimmenden Äckern oder im Warenverkehr mit der Stadt genutztes, mit ausfahrenden oder vom Tagwerk zurückkehrenden Fischern, aber inzwischen auch, so wie bei uns, mit Touristen beladenes Gefährt unterwegs. Aber sollte man deswegen zum Ruder- oder Paddelboot, auch zum Staken zurückkehren, so wie im von der Topografie her vergleichbaren Spreewald? Daß die Menschen hier nur zu einem kleinen Teil vom Fremdenverkehr leben und ansonsten ihr Auskommen ohne öffentliche Subventionen haben, genau das macht ja eigentlich den lebendigen Reiz eines solchen Gebietes aus.