Paung Daw Oo


Eigentlich nichts besonderes, diese eine weitere Pagode am Inle-See (Und somit auch nicht auf einem Bild verewigt), wenn da nicht eine besondere Geschichte mit ihr verbunden wäre: Im Jahr 1965 errichtet man bei der Ortschaft Ywa Ma die "Pagode der königlichen Barke", in deren Mitte fünf Buddhafiguren residieren, welche einer Legende zufolge vom König Alaung-si-thu im 12.Jahrhundert aus dem Monland hierher verbracht, in den Wirren der Mongoleneinfälle verschollen und erst Jahrhunderte später in einer Höhle beim See wiedergefunden wurden. Ein Grund doch, diesen fünf durch unentwegtes Bekleben mit neuen Goldplättchen zu Klumpen mutierten Figuren auch ein Fest zu widmen, oder? Und so steigt hier jeden Herbst an der Schwelle vom September zum Oktober das Phaung Daw Oo-Pagodenfest, wird das goldene Karaweikschiff aus seinem Depot geholt, mit den fünf Buddhas beladen und von unzähligen Beinruderern zum Besuch aller größeren Ortschaften auf dem See herumgefahren. Fünf Buddhas? Nein, es sind nur noch vier! Jeder Seefahrtkundige wird die Gefahr aus hohen Aufbauten und geringem Tiefgang der Barke schon erkannt haben und so kam, was kommen musste, sei es aus Ungeübtheit oder Rausch: Als im Jahr 1965 die erste Prozession startet, kippt das Gefährt um und alle damals noch fünf Buddhas nutzen die Gelegenheit zum erfrischenden Bade. Nur müssen sie in der Buddhaschule den Schwimmunterricht geschwänzt haben und der Schlamm im See ist von nicht unbeträchtlicher Höhe. Aber Rettung naht, die besten Taucher stürzen sich mutig ins Wasser und finden auch vier der Untergegangenen wieder, nur der fünfte, der bleibt verschollen, bis man ihn seltsamerweise bei bedrückter Rückkehr im Tempel an seinem angestammten Platze vorfindet. Zauberei? Auf jeden Fall Anlass für die in Ehrfurcht erstarrten Einwohner, ihm genau an der Unglücksstelle mitten im See eine mit einem Karaweik bekrönte Säule zu errichten, von der er nun das ganze Jahr über Gelegenheit hat, beim Betrachten der vorbeiflitzenden Motorboote und der ihrer Arbeit nachgehenden Fischer den Tag zu genießen und dabei über den Lauf der Welt nachzudenken. Und eigentlich ist in normalen Tempeln ja auch nur Platz für vier Buddhas, für jede der vier Himmelsrichtungen.