Lebensunterhalt am See


Ist es eines? Bei den allerdings weniger werdenden nicht im Tourismus beschäftigten Intha ist es vor allen Dingen ein Gebiet zur Sicherung des Lebensunterhalts, zum Ausüben einer Tätigkeit, welche wegen fehlender Technik noch weitgehend anstrengende Handarbeit beinhaltet. Und so fahren sie dann am Morgen hinaus aus ihren aufgestelzten Dörfern, die Fischer, die Inhaber der schwimmenden Gärten, die Mini-Transportunternehmer mit ihren knatternden Lastkähnen, um ihr Tagwerk zu vollbringen. Fischreich ist der See und die Experten sind sich da uneins, aber es kann sicher gesagt werden, daß sich etwa fünfzehn endemische und noch einmal so viele nichtendemische Arten von Flossenträgern in seinen Fluten tummeln. Aber die "stehen" unter den Blättern der Wasserhyazinthen und normale Netze verfehlen ihre Wirkung, auch Angeln verhaken sich bloß in deren Trieben, so dass hier eine besondere Art vom Fischfang entwickelt wurde: Ein Fischer schlägt mit seinem Ruder auf das Wasser, während die anderen, bewaffnet mit einer hutförmigen Reuse, die aufgescheuchten Fische erwarten, ihnen das Netz überstülpen und mittels einer Kordel schließen. Beide Hände sollte man dazu schon frei haben, aber wozu hat man denn zwei Beine, wenn man auch auf einem stehen kann? Und so ward der Einbeinruderer erfunden, das Ruder in ein Hosenbein geschoben und mit dem Fuß festgeklemmt, eine praktische Sache, welche ihre Vorteile besonders beim Fischfang mit einem filigranen Netz ausspielen kann. Was passiert allerdings, wenn sich dort mal ein kapitaler Wels oder Karpfen, endemisch oder nicht, verfängt und seine Freiheit wieder zu erlangen trachtet? Ein Hoch auf des Fischers Kraft und Gleichgewichtssinn, denn der Wieder-Einstieg in solch eine kleine Barke ist ohne Hilfsmittel bestimmt mühsam. Ungefährlicher, aber nicht weniger praktisch ist dagegen das Einbein-Rudern bei der beidhändigen Arbeit an den recht eng angeordneten Pflanzenreihen der schwimmenden Gärten. Im offenen Wasser gesammelte Wasserhyazinthen (Pak Top Chava) bilden mit dem angeschwemmten Schlamm im Laufe der Jahre einen dichten Teppich, später nach etwa fünfzig Jahren Unterwasser-Kompostierung eine etwa einen Meter tiefe Humusschicht, auf welcher dann, durch Bambusstangen auf dem Seeboden verankert, hauptsächlich Tomaten, Auberginen, Gurken, Bohnen und Blumen ohne jegliche Bewässerung gut gedeihen. Und die Umfriedung der Felder? Natürlich wieder Wasserhyazinthen! Diese irgendwann zum Zwecke des Zierblumenanbaus aus Südamerika eingeführte Pflanzenart besitzt nicht nur die Eigenschaft, sich rasant zu vermehren und hübsche Blüten zu entwickeln, nein, sie reinigt auch das Wasser mittels Phytosanierung, womit auch die Frage beantwortet wäre, warum sich in diesem flachen Wasser ein solch vorteilhaftes Gleichgewicht zwischen reichlichem Pflanzenbewuchs und ebensolchem Fischvorkommen gebildet hat.