Lebensunterhalt am See


So folgen Sie mir doch in den Kalkstein-Höhenzug hoch über der Stadt Pindaya! Keine Angst, Prinz Kummabhaya hält die schwarze Riesenspinne mit seinem Bogen in Schach und wird sie später mit einem gezieltem Pfeil direkt ins Herz töten. Mogeln wir uns doch an den beiden vorbei durch das Tor auf an dem Berghang angeschmiegten Wegen zu den ein paar hundert Stufen höher liegenden Pindaya Caves. Oh, Moment! Bitte ohne Schuhe, die Wege sind sauber und, nun ja, meistens überdacht, so daß nur kurze heiße Strecken zu überwinden sind. Eine Frage der Gewöhnung und eventuelle Schmerzen werden Sie beim Anblick der Kostbarkeiten in den Höhlen schon bald vergessen haben! Kommen Sie, hinein in die angenehme Kühle des Berges, und lassen Sie sich von den inzwischen über achttausend goldglänzenden Buddhafiguren blenden, Spenden aus aller Welt, alles Einzelstücke, von denen Sie kein haargenau einem anderen gleichendes finden werden. Woher sind Sie? Aus Deutschland? Ja, mindestens fünf Exemplare aus Ihrem Land habe ich hier schon gezählt, aber ich verrate Ihnen nicht, wo. Suchen Sie ruhig und studieren Sie die kunstvolle Verarbeitung der Figuren, es wird Ihnen sehr schwerfallen, einen Favoriten zu finden! Und es lohnt sich, alle Abzweigungen zu Ende zu gehen: Sie werden schmale, nur in halb kriechender Haltung passierbare Durchlässe, hinter denen sich neue Räume auftun, finden, schmale Durchlässe, wo Sie, ja Sie!, Ihren Bauch einziehen müssen, um zu Punkten der Einkehr und der Andacht zu gelangen, ein Labyrinth, an welchem die Riesenspinne vier beim Baden geraubte Prinzessinnen gefangen gehalten hat, eine Gefangenschaft, welcher der Prinz ein Ende gemacht, und natürlich, von denen er eine nach deren Befreiung geheiratet hat. Sehen Sie, die Geschichten gleichen sich in aller Welt: Prinzen oder Ritter kämpfen mit Riesenspinnen, Drachen oder anderen Monstern und befreien Prinzessinen, um sie später zu heiraten. Und wenn Sie nicht gestorben sind.... Pst! Bitte nicht die Betenden stören! In den letzten zweihundert Jahren entstand hier eine Pilgerstätte, und die Auswahl an Buddhas läßt inzwischen nichts zu wünschen übrig, in Kombination mit Stupas und geschickt beleuchtet rührt der Platz bestimmt auch Ihre Herzen an, auch wenn Sie unseren Glauben nicht teilen. Einer der vielen Orte in Myanmar, welcher angesichts der zeitlosen Kunst und der großzügigen, keine Mühen und Gelder scheuenden Gestaltung beim Betrachter Erstaunen hervorruft, auch angesichts des einfachen Lebens der normalen Menschen.