Dhammayangyi-Tempel


Als im Jahr 1044 König Anawratha den Thron des ersten, schon seit Mitte des 9.Jahrhunderts bestehenden birmesischen Reiches mit seiner Hauptstadt Bagan bestieg, da ahnte wohl nicht mal er, welche Bedeutung diese Stadt in dem von ihm geeinten Land einmal gewinnen würde und welche glanzvollen Bauten hier einmal errichtet werden würden. Von einem Mon-Priester zum Buddhismus bekehrt, vertrieb er im Jahr 1056 die Hüter des einheimischen Schlangenkultes und durch die Verbringung der Mon-Bildungselite in seine Hauptstadt nach der Eroberung deren Reiches im Jahr 1057 hatte der Buddhismus als Staatsreligion und Instrument seines Machterhalts gesiegt. Die weitere Ausdehnung des Reiches in etwa auf das Gebiet des heutigen Myanmar erschloss ihm und den nachfolgenden Königen materielle und kulturelle Ressoucen ungeahnten Ausmaßes und in der anschließend rund 250 Jahre andauernden Friedenszeit errichteten die frommen Herrscher und deren Günstlinge etwa 6000 Pagoden und Stupas, von denen ca. 2000 erhalten geblieben sind. So auch den auf dem Bild auszumachenden gewaltigen Dhammayangyi-Tempel, von König Narathu um 1170 als Sühne für die Ermordung seines Vaters Alaungsithu erbaut. Ablass gab es eben nicht nur in Europa. Und Bagan wuchs und wuchs, mit einer Fläche von ca 40 Quadratkilometern war die Stadt damals eine der größten der Welt. Aber die Zeitenläufe änderten sich, der Wettlauf um den Bau der größten und schönsten Tempel, die Steuerfreiheit von religiösen Einrichtungen, die ausufernde Verwaltung und die steigende Unwilligkeit der regionalen Machthaber, die Kosten der aufgeblähten Zentrale zu begleichen, führten zum langsamen Zerfall des Staates, und als der letzte König Narathihapate sogar Tempel abreißen ließ, um schnell noch eine Stadtmauer zu errichten, nützte das auch nichts mehr: Der Mongolenherrscher Kublai Khan eroberte das Reich im Jahr 1287, welches danach in mehrere sich bekämpfende Vasallenstaaten Chinas, der Shan (Thailand) sowie der wiedererstarkten Mon zerfiel, von denen keiner mehr Interesse an der einstmals glanzvollen Hauptstadt hatte. Die zumeist aus pflanzlichen Materialien errichteten Paläste und Wohngebäude zerfielen im tropischen Klima, die massiv aus Stein errichteten Sakralbauten blieben erhalten.