Ananda-Tempel


Da ragt er über das reiche Grün der vergangenen Hauptstadt des ersten burmesischen Reiches hinaus, der wunderbare Ananda-Tempel, der "Tempel der endlosen Weisheit". Ein massiver Sockel in Form eines stupabewehrten griechischen Kreuzes, sich in mehreren Schritten unter Bewachung von Löwen verjüngend und schließlich in einem hohen, schlank gehaltenen Tempelturm mit einer aufgesetzten goldenen Pagode endend. Wir verdanken dieses außergewöhnliche Bauwerk Khan-zit-tha, dem dritten König des Reiches, welcher sich von den bestimmt beeindruckenden Erzählungen indischer Mönche über den dortigen Berg Ghandamadana mit seinen Meditationshöhlen inspirieren und dieses Bauwerk nach Art des benachbarten Subkontinents im 11. Jahrhundert errichten ließ. Aus den Eingangshallen an der Basis des Tempels mit den vier innewohnenden obligatorischen Buddhas, garniert durch einen riesigen Fußabdruck eines von ihnen, gelangt man über durch Torbögen überdachte Treppen zu fünf Terrassen, wo man neben der herrlichen Aussicht auch die auf Keramiktafeln verewigten 547 Jataka-Erzählungen aus dem Leben Buddhas studieren kann. Weiter oben dann der indische Tempelturm, Shikara genannt, in welchem für jede Himmelsrichtung fünf Nischen eingearbeitet sind, gefüllt mit den vier Buddhas dieses Zeitalters und gekrönt von Metteya als fünftem, dem Repräsentanten kommender Zeiten. 51 Meter Höhe misst der Bau insgesamt, ein architektonisches Meisterwerk aus der Anfangszeit des Reiches. Und auch wenn man die Lehre Buddhas selbst nicht unbedingt teilt, so betrachtet man die Bauten dieser Religion doch mit Ehrfurcht oder auch Feierlichkeit. Bei welchem der in heutiger Zeit errichteten Gebäude werden unsere Nachfahren in eintausend Jahren ähnliches empfinden?