Sule-Pagode


Da steht sie mitten in einem riesigen Kreisverkehr am Schnittpunkt zweier Hauptverkehrsstraßen im Zentrum von Myanmars Hauptstadt Yangoon, die Sule-Pagode. Laut Legende wurde sie bereits zu Lebzeiten Buddhas vor mehr als 2600 Jahren erbaut, allerdings deutet der achteckige Grundriss des goldenen Hauptstupas auf Eigenheiten der Mon-Architektur und damit auf die Entstehung im 1.Jahrhundert unserer Zeitrechnung hin, als in anderen Breiten die Römer ihr in unserer europazentrischen Betrachtungsweise als "Weltreich" bezeichnetes Imperium um das Mittelmeer herum schufen. Und sie hat die Zeiten überdauert, das Ende der Mon-Dynastie, die Einfälle der Mongolen, der Thai, nochmals der Mon, die Eroberung durch die Briten, welche dann eigentlich um den Bau herum die neue Hauptstadt kreierten, keiner tastete dieses damals bestimmt höchste Bauwerk der Stadt an, auch nicht das links im Bild sichtbare Rathaus erhebt sich höher. Nur die Neuzeit professionalisierte die Religion des Geldverleihens und des Spekulierens, von der es sich offenbar nicht nur in Europa und Amerika so gut leben lässt, dass Hochhäuser davon unterhalten werden können. Es ist nicht leicht, auf das verkehrsumtoste Rondell der Pagode vorzudringen. An jeder der vier Straßen-Einmündungen existiert ein Eingang, bei zweien davon auch ein allerdings mehr als Empfehlung zu verstehender Zebrastreifen. Aber wer dann den Slalom um den Verkehr herum erfolgreich absolviert hat, der taucht mit Durchschreiten des Eingangs in wohltuende Stille ein. Es ist schon erstaunlich, wie die Randbebauung der Pagode den Lärm absorbiert. Nur, Superlative sollte man hier allerdings im Gegensatz zu ihren in der Stadt befindlichen großen Schwestern nicht erwarten, in grauen Vorzeiten waren die Ressourcen doch noch begrenzt und später fehlte hier auch bestimmt der Platz für Erweiterungen. So gibt es einen Schrein für die insgesamt 37 Nats (Geister) des Buddhismus sowie sieben Altäre, wo die Gläubigen entsprechend ihres Geburts-Wochentages beten und natürlich spenden können. Ein gutes Appetits-Häppchen also in Vorbereitung auf den Besuch der gewaltigen Shwedagon-Pagode, von der später zu berichten sein wird.