Station Pha Yar Lan


Schon einmal eine dreistündige Bahnfahrt für umgerechnet etwa 15 Cent gemacht? In Yangoon kann man dieses Experiment in die Praxis umsetzen. Die 45,9 Kilometer lange "Rangon Circular Railway" umrundet, ausgehend vom Hauptbahnhof, die Stadt und schließt dabei mittels 39 Haltestellen eine Anzahl von Vororten an ihr Zentrum an. Die Reisegeschwindigkeit auf dieser im Jahr 1954 erbauten Strecke läßt sich unschwer errechnen, sie beträgt 15 km/h. Alle zwanzig Minuten wankt ein Zug in jeder Richtung ab dem Hauptbahnhof von dannen, neben diesellokbespannten älteren, klapprigen Wagenzügen machen sich auf dieser Route inzwischen auch gebrauchte Triebwagen aus japanischer Produktion der achtziger Jahre breit. Zum Kennenlernen der Umstände auf der Strecke sollte man die recht moderne Zentralstation verlassen und auf den Gleisen zur nicht einmal einen Kilometer entfernten Station Pha Yar Lan wandern. Hier gibt es sogar eine Fußgängerbrücke über die Meterspurgleise. Aber wozu? Kreuz und quer wandern die Menschen vor oder hinter dem gerade haltenden Triebwagen über die Gleise oder auch auf Trampelpfaden an ihnen entlang. Auch Einsteigen läßt es sich wegsparend, sofern man die nötige Kondition dazu aufbringen kann, zumal der Bahnsteig auf der anderen Seite auch nicht viel höher und wegen Bauarbeiten zu seiner Erhöhung derzeit stark verkürzt ist. Am Ende des Bahnsteigs wartet eine Überleitung mit Handweichen, bewacht von einem über Handy erreichbaren Zivilisten, auf Züge der Gegenrichtung. Das ausgekreuzte Signal am linken Gleis lässt vermuten, daß diese Überleitung nur ein Provisorium wegen Bauarbeiten darstellt, wo mit hoher Manpower das offenbar abgängige rechte Gleis erneuert wird. Der Arbeiter mit dem roten Helm gehört allerdings zu weiteren Arbeiten: Weiter oben turnen Personen akrobatisch auf dem Dach herum, um das darüber wild wuchernde Grün abzusägen und mittels eines vorher angebrachten Seiles später auf das Gleisbett zu ziehen, auf dass es nicht das dünne Wellblech der Bauten durchschlägt. Viel Leben also auf den Bahngleisen, welches sich in den recht vollen, einem Wochenmarkt ähnelnden Zügen fortsetzt, wo man während der gemächlichen Fahrt von fliegenden, nein eher zwischen ihren Waren auf dem Boden sitzenden Händlern (fast) alles zum Leben Benötigtes erwerben kann. Sinnvolles Ausnutzen der Fahrzeit, nur eben auf eine andere Art und Weise als bei uns.