Treffpunkt Shwedagon-Pagode


Wenn der Abend mit seinen angenehmen Temperaturen über Yangon hereinbricht, hat der normale Birmaner nach getaner Arbeit wie in jeder großen Stadt der Welt mehrere Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen. Der chinesische Teil der Altstadt verwandelt sich in eine Restaurantmeile unter freiem Himmel, jede der raren und noch so kleinen Ecken wird mit Tischen vollgestellt, zu denen aus den umliegenden Gebäuden diensbeflissene Kellner eilen, die Wünsche der Gäste nach schmackhaftem Essen zu erfüllen, und sei es auch aus benachbarten Küchen, über deren Zustand hier nicht gerichtet werden sollte. Und wie wäre es mit einem Spaziergang am Wasser des Yangon River entlang? Oder aber wie wäre es mit einem Besuch der Shwedagon-Pagode? Es ist ja nicht so, dass diese nur aus dem mittleren Stupa besteht, nein, es handelt sich um einen ganzen Komplex von Gebäuden, stillen Plätzen, Gebetsstätten, Wandelgängen zum Spazieren, zum Treffen mit Freunden, unter intelligenter Beleuchtung goldglänzend und von unzähligen Buddhafiguren bewacht, wiewohl aber auch ein Angebot für Menschen ohne Glauben an Buddha einschließend. Nicht wie in Moscheen, wo Andersdenkende bestenfalls geduldet werden, nicht wie bei unseren großartigen abendländischen Kirchen, welche zwar unnahbar gen Himmel zu Gott streben, aber eher nicht als Treffpunkte für einen gelungenen Abend dienen mögen. In aller Welt spenden Gläubige für ihre Religion, aber es ist ziemlich beeindruckend, welche Mengen hier von der gewiss nicht reichen Bevölkerung aufgebracht werden. Und so kann man sich hier allabendlich in der Shwedagon-Pagode treffen, mit seinen nackten Füßen den glänzenden Boden polieren und mit allen Sinnen das mit den eigenen Spenden immer wieder erneuerte und verschönerte Ensemble genießen.